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Stellungnahme bezugnehmend auf den Absatz Reisewetter in Rubrik Wetter der Tiroler Tageszeitung, Printausgabe Freitag 18. September 2015, S. 44.

Geehrte Chefredaktion der Tiroler Tageszeitung,

als Organisation, die sich für die Einhaltung der Rechte von Menschen auf der Flucht einsetzt, sieht sich die Plattform Rechtsberatung gezwungen, zu Ihrem am 18.9. in der Printausgabe Ihrer Zeitung abgedruckten implizierten Vergleich der Strapazen Flüchtender mit einer Urlaubsreise in der Mittelmeerregion in Ihrer Rubrik Wetter auf Seite 44 Stellung zu beziehen.

Menschen, die aufgrund von Verfolgung und Kriegen in Ihrem Herkunftsland fliehen müssen zu unterstellen, sie befänden sich auf einer Urlaubsreise stellt eine massive pauschale Verbrämung und Verschleierung deren Leids und ihrer Anstrengungen auf dem Weg in eine sichere Region dar.

Es handelt sich um Männer, Frauen und Kinder, die auf ihrem Weg Hunger und Durst leiden, den Tod im Rücken haben, traumatisiert sind und aufgrund des derzeitigen Politikversagens in Europa von der einen in die andere Ungewissheit gehen. Nach wie vor sind Familien mit Kindern zu Fuß oder in lebensbedrohlichen Booten unterwegs, um von Konfliktregionen und unsicheren Lebenswelten an einen ruhigeren Ort zu gelangen.

 

Flüchtende werden an den Grenzen aufgehalten, sind erschöpft und werden schlecht versorgt oder in Massenunterkünften untergebracht und viele sind gezwungen auf der Erde oder auf Parkbänken zu nächtigen. Zudem gehen an manchen Grenzen europäischer Länder die Behörden mit Wasserwerfern und Pfefferspray gegen die verzweifelten Menschen vor. Der Kommentar gegenüber dieser „hitzigen Situation“ vermittelt, dass der oder die Verfasser*in keineswegs die Ernsthaftigkeit erkennt, geschweige denn mit dem notwendigen Respekt den Menschen in ihrer aktuellen Situation begegnet.

Abgesehen von Ihrem Inhalt ist die Rubrik wohl kaum der richtige Ort für den Abdruck subjektiver Meinungen. Nachdem dieser Absatz tatsächlich in der Tiroler Tageszeitung erscheinen konnte, müssen wir davon ausgehen, dass Sie diese Form des unethischen Journalismus zumindest tolerieren.

Ihr Verstoß gegen den Ehrenkodex des österreichischen Presserates wird an diesen weitervermittelt. Ebenso leiten wir den Absatz Reisewetter aus Ihrer Rubrik Wetter, Horoskop & Kalendarium vom 18.9. an zuständige Diskriminierungs- und Dokumentationsstellen für Rassismus weiter.

Wir fordern die Redaktionsleitung zu einer abgedruckten öffentlichen Entschuldigung und Stellungnahme zu diesem Absatz in der kommenden Wochenendausgabe der Tiroler Tageszeitung auf.   

Hochachtungsvoll,

Mag.a Irene Pilshofer

Geschäftsführung Plattform Rechtsberatung – FÜR MENSCHEN RECHTE